Claudia Urban – Wie die Idee für urbanbnb 1996 entstand.

Die Geschichte hinter urbanbnb · Kapitel 1

Zwischen Hotelzimmern, Flugblättern und einer ziemlich verrückten Idee

Wie aus 300 Tagen im Jahr auf Reisen eine Idee entstand – und ich 1996 begann, daraus ein Unternehmen zu machen.

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Claudia Urban – Erinnerungen an die Anfänge von urbanbnb
Claudia Urban · Die Geschichte einer Idee, die 1996 begann.

Bevor es urbanbnb gab, war ich vor allem eines: unterwegs.

Ich arbeitete damals für ein Unternehmen, das mich zu Messen und Ausstellungen quer durch Deutschland schickte. Rund 300 Tage im Jahr war ich auf Reisen. Mein Leben spielte sich zwischen Messehallen, Autobahnen, Koffern und immer neuen Unterkünften ab.

Und genau dort beginnt eigentlich die Geschichte von urbanbnb: nicht mit einem Businessplan, nicht mit einer Website und ganz sicher nicht mit dem Gedanken, jetzt Unternehmerin werden zu wollen. Sondern mit einem Problem, das ich selbst immer wieder hatte.

Gerade während großer Messen und Veranstaltungen wurde die Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft regelmäßig zur Herausforderung. Hotelpreise stiegen teilweise um mehrere Hundert Prozent, also suchte ich nach Alternativen und übernachtete in kleinen Pensionen, Privatzimmern, auf ausgebauten Dachböden und manchmal sogar in umgebauten Garagen.

Nicht, weil ich diese Art des Reisens besonders spannend fand, sondern weil ich irgendwo schlafen musste. Dabei stellte ich mir immer häufiger dieselbe Frage: Warum ist es eigentlich so schwierig, für eine begrenzte Zeit eine bezahlbare Unterkunft zu finden, in der man sich trotzdem ein bisschen zu Hause fühlen kann?

Da muss es doch noch etwas anderes geben.

Damals wusste ich noch nicht, dass genau diese Frage einmal der Anfang meines eigenen Unternehmens sein würde.

Irgendwann wusste ich: So möchte ich nicht weitermachen.

Nach all den Jahren unterwegs war ich müde – vom Reisen, vom Leben aus dem Koffer und von einem Alltag, in dem kaum noch Platz für mein eigenes Leben blieb. Auch privat hinterließ das Spuren. Freundschaften zu pflegen, wenn man fast nie zu Hause ist, ist schwierig.

Dann starb mein Vater völlig unerwartet. Sein Tod war ein Einschnitt und brachte eine Frage nach vorn, die ich vielleicht zu lange beiseitegeschoben hatte: Will ich wirklich so weitermachen? Die Antwort war Nein.

Was ich stattdessen machen wollte, wusste ich noch nicht. Ich kündigte trotzdem. Im Rückblick klingt das vielleicht mutig; damals fühlte es sich weniger nach Mut an als nach der Gewissheit, dass sich etwas ändern musste.

Die Zeit danach war keine Bilderbuchgeschichte einer zukünftigen Gründerin, die am nächsten Morgen mit einem fertigen Businessplan am Küchentisch sitzt. Ich hangelte mich eine Weile von Job zu Job, kaufte mir einen Hund und begann, mich von Dingen zu trennen, die mir nicht mehr guttaten. Eigentlich räumte ich mein Leben einmal gründlich auf.

Dann lernte ich den Mann kennen, der später mein Ehemann werden sollte. Wir verliebten uns, zogen zusammen – und langsam kehrte etwas in mein Leben zurück, das mir lange gefehlt hatte: ein Zuhause.

Vielleicht beschäftigte mich gerade deshalb die Frage nach einem Zuhause auf Zeit weiter. Denn nach all den Jahren unterwegs wusste ich, wie groß der Unterschied zwischen einem Schlafplatz und einem Ort sein kann, an dem man für eine begrenzte Zeit wirklich ankommt. Ein Zimmer oder eine Wohnung konnten mehr sein als nur ein Bett für die Nacht.

Sie konnten ein Zuhause auf Zeit sein.

Und dann las ich diesen Zeitungsartikel.

Die Idee war also noch da, aber sie hatte noch keine konkrete Form. Bis ich einen Zeitungsartikel über zwei Frauen aus Hamburg las, die eine Bed-&-Breakfast-Agentur eröffnet hatten. Mich traf es wie ein Blitz.

Plötzlich wurde greifbar, worüber ich schon so lange nachgedacht hatte: Menschen hatten Zimmer und Wohnungen, andere Menschen suchten für eine begrenzte Zeit eine Unterkunft. Warum sollte man sie nicht zusammenbringen?

Das ist es. Genau das will ich machen.

Von diesem Moment an konnte ich an kaum noch etwas anderes denken. Wie komme ich an Vermieter? Wer könnten meine Gäste sein? Wie bringe ich beide Seiten zusammen, wie organisiert man Buchungen – und wie funktioniert eine solche Vermittlung überhaupt in der Praxis?

Vor allem aber fragte ich mich: Wie macht man aus einer Idee ein Geschäft?

Die Idee war da. Jetzt musste ich nur noch herausfinden, ob sie auch funktionieren konnte. Und man darf dabei nicht vergessen: Wir schreiben das Jahr 1996.

Heute öffnet man für eine Geschäftsidee den Laptop, recherchiert den Markt, findet Wettbewerber und sucht online nach möglichen Kunden. 1996 war meine Welt eine andere. Google und Social Media gab es noch nicht, und Plattformen, auf denen Gastgeber und Gäste selbstverständlich zusammenfinden, waren noch Zukunftsmusik.

Wenn ich wissen wollte, ob und wo es ähnliche Anbieter gab, musste ich mir diese Informationen zusammensuchen. Ich telefonierte, nahm Kontakt zu Touristikämtern auf, durchforstete Anzeigen und Verzeichnisse und versuchte zu verstehen, wie solche Vermittlungen überhaupt funktionierten.

Irgendwann reichte Recherche nicht mehr. Ich musste herausfinden, ob meine Idee auch außerhalb meines Kopfes funktionierte – und dafür brauchte ich Unterkünfte und Menschen, die bereit waren, ihre Zimmer oder Wohnungen auf diese Weise zu vermieten.

Also druckte ich Flugblätter, verteilte sie in Briefkästen und schaltete Anzeigen in Amtsblättern. Für das, was ich vorhatte, hatte ich sogar schon einen Satz gefunden:

„Die andere Art der Vermietung.“

Damit wollte ich ausdrücken, dass ein freies Zimmer oder eine Wohnung nicht ausschließlich langfristig vermietet werden musste. Da draußen gab es Geschäftsreisende und Messebesucher, die für einige Tage, Wochen oder Monate eine Unterkunft benötigten – Menschen wie mich, die unterwegs waren und trotzdem irgendwo ankommen wollten.

Und dann klingelte tatsächlich das Telefon. Menschen reagierten auf meine Anzeigen und Flugblätter. Sie hatten ein Zimmer, eine Wohnung oder eine Einliegerwohnung und wollten wissen, was genau ich eigentlich vorhatte.

Ich vereinbarte meine ersten Besichtigungstermine und war vor fast jedem davon aufgeregt. Denn wenn ich ehrlich bin: Ich wusste selbst noch nicht genau, wie das alles ging. Ich hatte keine jahrelange Erfahrung in der Immobilienvermittlung, keine ausgefeilten Prozesse und kein Handbuch.

Was ich hatte, waren meine Erfahrungen als Reisende, eine Idee und ziemlich viel Entschlossenheit. Also fuhr ich los.

Eine dieser frühen Besichtigungen werde ich vermutlich nie vergessen. Ein Vermieter erklärte mir am Telefon, er habe ein Mansardenzimmer anzubieten. Ich hatte damals keine Ahnung, was das eigentlich sein sollte – also fuhr ich hin.

Und dort stand ich nun, am Anfang meiner Karriere als zukünftige Unternehmerin, und schaute mir ein Zimmer unter einer Treppe an. Meine Vorstellung von einem gemütlichen Zuhause auf Zeit sah ehrlich gesagt etwas anders aus.

Gerade solche Erlebnisse wurden wichtig, weil ich dadurch begann, über Qualität und Vertrauen nachzudenken.

Nur weil jemand etwas vermieten möchte, heißt das noch lange nicht, dass ich es vermitteln möchte.

Wenn Gäste mir vertrauen sollten, musste auch ich entscheiden können, welchen Unterkünften und welchen Vermietern ich vertraute. Welche Unterkunft ist gut genug? Was braucht ein Mensch, um sich auch fern von zu Hause wohlzufühlen? Und wofür möchte ich mit meinem Namen stehen?

Ohne es damals zu wissen, entstanden aus solchen Fragen die ersten Grundsätze meines Unternehmens.

Nik – das erste Logo aus der frühen Geschichte von urbanbnb
Nik – unser erstes Logo. Ein echtes Stück aus den Anfängen.

Aus meinem Archiv

Und irgendwann bekam die Idee sogar ein Gesicht.

Aus den ersten Anzeigen, Telefonaten und Besichtigungen entstand langsam etwas, das sich immer mehr nach einem echten Unternehmen anfühlte – und irgendwann bekam diese Idee auch ihr erstes Logo: Nik.

Heute wirkt es wunderbar nostalgisch. Damals gehörte es einfach zu dem, was ich gerade aufzubauen versuchte: ein kleines Stück Unternehmensgeschichte aus einer Zeit, in der Vermittlung noch über Telefon, Anzeigen, persönliche Gespräche und jede Menge Papier funktionierte.

Ich hatte noch kein fertiges Unternehmen. Aber ich hatte angefangen.

Im Rückblick lässt sich diese Geschichte wunderbar ordentlich erzählen: Erst kommt die Idee, dann findet man Vermieter, gewinnt Gäste und baut irgendwann ein Unternehmen auf. So war es natürlich nicht.

Ich recherchierte, telefonierte, verteilte Flugblätter, schaltete Anzeigen und klingelte an Türen. Ich fuhr aufgeregt zu Menschen, die mir ihre Wohnungen und Zimmer zeigen wollten, machte Fehler und lernte mit jedem einzelnen Schritt dazu.

Und genau dadurch wurde aus meinem Gedanken etwas Greifbares. Die Idee existierte plötzlich nicht mehr nur in meinem Kopf: Menschen reagierten darauf, hörten mir zu, öffneten mir ihre Türen und waren bereit, etwas auszuprobieren, das damals alles andere als selbstverständlich war.

1996 hatte ich noch keine Ahnung, wohin mich das alles einmal führen würde. Aber irgendwann stellte ich mir nicht mehr die Frage: „Kann daraus wirklich etwas werden?“

Die Frage lautete jetzt: „Wie mache ich daraus ein richtiges Unternehmen?“

Und damit begann das nächste Kapitel meiner Geschichte.

Claudia Urban – Gründerin von urbanbnb

Die Autorin dieser Geschichte

Claudia Urban

Gründerin · Unternehmerin · seit 1996 im Wohnen auf Zeit

„Ich habe urbanbnb nicht gegründet, weil ich unbedingt Unternehmerin werden wollte. Ich hatte ein Problem selbst erlebt und wollte wissen, ob es dafür eine bessere Lösung geben könnte. Aus dieser Frage wurde mein Unternehmen.“

Kapitel 2

Wie aus meiner Idee ein Unternehmen wurde

Die ersten Vermieter waren gefunden. Aber damit hatte ich noch keinen einzigen Gast, keine digitale Buchungsplattform und kein System, mit dem ich all die Zimmer, Wohnungen, Telefonnummern und Anfragen verwalten konnte.

Ein Telefon, jede Menge Karteikarten und eine Idee, die immer größer wurde.

Fortsetzung folgt

1996 begann die Geschichte mit einer Frage. Drei Jahrzehnte später wird sie von der nächsten Generation weitergeschrieben.